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Lithium in der Schwangerschaft und Stillzeit

Was gilt es zu beachten? Wie hoch werden heute die Risiken eingeschätzt?

Antidepressiva in Schwangerschaft und Stillzeit: Lithium

 

Lithium in der Schwangerschaft

Lithiumsalze sind in der Behandlung manisch-depressiver Zustande bewährt. Lithiumsalze werden nach oraler Gabe fast vollständig resorbiert und renal ausgeschieden. Bei Schwangeren ist die Lithiumausscheidung um 50-100% gesteigert, so dass die Lithiumtherapie schwangerer Patientinnen eine erhöhte Aufmerksamkeit des Behandelnden sowie häufigere Plasmaspiegelmessungen und Dosisanpassungen erfordert. Lithium ist plazentagängig, im fetalen Serum ist die Plasmakonzentration gleich hoch wie im mütterlichen Serum.

In den 70-er Jahren wurde Lithium mit einem hohen Teratogenitätsrisiko assoziiert. Später wurde dann die Fehlbildungsrate bei Kindern von Müttern unter Lithiumtherapie nach unten korrigiert. Dennoch besteht für den Feten bzw. das Neugeborene ein erhöhtes Risiko für v.a. cardiale Fehlbildungen und postpartale Toxizität. Das Risiko einer Ebstein-Anomalie (Verlagerung eines oder mehrerer hypoplastischer Trikuspidalsegel in die rechte Herzkammer und Vorhofseptumdefekt) ist unter Lithiumtherapie signifikant erhöht. 

Der Hersteller von Lithium gibt derzeit an, dass klar Risiken für den menschlichen Fötus bestehen und dass Lithium im 1. Trimenon nicht gegeben werden soll, es sei denn, es ist eindeutig notwendig. Lithium sollte 7 bis 10 Tage vor dem Geburtstermin abgesetzt werden, da die renale Ausscheidungskapazität für Lithium während der Geburt dramatisch sinkt und sich die Verteilung des Lithiums mit den phyiologischen Veränderungen der Flüssigkeitsverteilung bei der Mutter ändert. Dies könnte zu Lithiumintoxikation von Mutter und Neugeborenen führen.

 

 

Lithium in der Stillzeit

Lithium hat beim Erwachsenen eine Halbwertszeit von 8-45h und einen engen therapeutischen Bereich von 0,8-1,5 mmol/l. Schon bei 2 mmol/l können toxische Symptome auftreten. Der M/P Quotient variiert dosisabhängig zwischen 0,3 und 1,7. Bis 80% der gewichtsbezogenen mütterlichen Dosis können auf das Kind übergehen. Nach Absinken der unmittelbar postnatal hohen Lithiumspiegel finden sich beim Kind Plasmakonzentrationen von ca. einem Drittel der mütterlichen. Unmittelbar postpartal wurde unter Lithium das „Floppy Infant Syndrome“  mit Trinkschwäche, herabgesetztem Muskeltonus, Zyanose, Temperaturregulationsstörungen und Lethargie beschrieben. Die toxischen Symptome dauern ca. 1-2 Wochen postpartal an. Vor diesem Hintergrund wurde, u.a. in der Fachinformation von Lithium, empfohlen, dass Mütter unter Lithiumtherapie nicht stillen sollen. Neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Gefahr für das gestillte Kind geringer ist als erwartet:

Eine Untersuchung an 10 stillenden Müttern beispielsweise ergab bei einem Lithiumspiegel von 0,76 meq/l im Serum der Mutter eine Konzentration von 0,35 in der Muttermilch und 0,16 im Serum des Säuglings.  Bei diesen Säuglingen wurde keine schwerere Nebenwirkung beobachtet, selten und gering bestand eine vorübergehende TSH-, Harnstoff- und Kreatininerhöhung bei den Säuglingen. Die Kinder gediehen normal ohne erkennbare Auffälligkeiten. Gesamthaft kann Lithium im begründeten Einzelfall in der Stillzeit gegeben werden, wenn der Säugling genau beobachtet wird (Muskeltonus, Tremor, unwillkürliche Bewegungen, Zyanose, Dehydratation) und die Mutter die niedrigst wirksame Lithiumdosis erhält. Die Lithiumplasmaspiegel müssen dann bei Mutter und Kind monitorisiert werden. Es erscheint sinnvoll, gemäss Herstellerangaben Lithium 7 bis 10 Tage vor dem Geburtstermin abzusetzen.

 

Viguera AC 2007: Lithium in breast milk and nursing infants: clinical implications.

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Chaudron LH 2000: Mood stabilizers during breastfeeding: a review.

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Arzneimittelkompendium der Schweiz

Christof Schäfer, Horst Spielmann: Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit. Urban und Fischer, 2001, 6. Auflage

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